Die Ausstellung zeigte die Netzwerke von 25 ehemals in Chemnitz lebenden jüdischen Familien. Sie setzte ihre Biografien zueinander in Beziehung und entdeckt verlorene Geschichten neu.
Die Chemnitzer Textilindustrie, der dominierende Wirtschaftszweig der Stadt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, wurde maßgeblich von jüdischen Unternehmern geprägt. Mit ihren Spinnereien und Textilfabriken trugen sie entscheidend zur Entwicklung von Chemnitz zu einer prosperierenden Industriestadt bei. Das innovative Potenzial der Unternehmer, sowohl in wirtschaftlicher, sozialer als auch kultureller Hinsicht, war enorm. Sie traten als Mäzene auf, förderten großzügig den Aufbau kultureller Einrichtungen, engagierten sich für den künstlerischen Nachwuchs und revolutionierten das Marketing. So schufen sie nicht nur nachhaltige, stilbildende Fäden weit über die Stadt und ihre Blütezeit hinaus, sondern bildeten auch untereinander starke Netzwerke.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderte sich für jüdische Familien in Chemnitz alles. Viele emigrierten vor Ausbruch des 2. Weltkriegs, andere blieben, wurden deportiert und ermordet. Immer mehr Fäden des Netzwerks rissen, Knotenpunkte lösten sich, es bekam Löcher und war bald nur noch eine schwache Erinnerung.
Um das einstige Netzwerk der Chemnitzer Jüdinnen und Juden für die Ausstellung Treads – Verflechtungen darzustellen, kontaktierte das Kuratorenteam die auf der ganzen Welt verstreuten Nachkommen. Diese stellten der Ausstellung Fotos und persönliche Gegenstände zur Verfügung. Die Objekte begleiteten Sie auf dem Weg vom einstigen Familienglück und der starken Verbundenheit zur Stadt Chemnitz in ein Leben in der Emigration oder aber in eine tödliche Sackgasse.
Dank der akribischen Arbeit des Kuratorenteams stabilisiert sich das Netzwerk der jüdischen, ehemals in Chemnitz verwurzelten Familien seitdem wieder.
© Veronica Selver