Unsere gesamte Zivilisation fußt auf Bergbau. Seit Jahrtausenden verwenden wir Erze aus dem Erdreich für alle Bereiche des Lebens, ob zur Herstellung von Schmuck, Waffen oder Mikrochips. Von Beginn an förderte das Montanwesen den Austausch zwischen uns Menschen. So überwanden Waren, Spezialisten und Wissen bereits vor 4000 Jahren große Entfernungen.
Damals wie heute definieren sich ganze Regionen wie das nahe Erzgebirge über ihre Bergbaugeschichte. Glück auf!, Schlägel und Eisen sowie die berühmte Holzschnitzkunst wurzeln in dieser Tradition.
Silberglanz & Kumpeltod beleuchtet den Erzbergbau sowohl von seiner glänzenden als auch von seiner dunklen Seite. Objekte von der Bronzezeit bis ins 21. Jahrhundert fördern das zu Tage, was unter Tage vor sich ging.
Die Ausstellung gliedert sich in eine Einführung, vier Themenbereiche und einen Ausblick in die Zukunft des Bergbaus.
© Hannah Bölke
Was trieb uns Menschen vor Jahrtausenden in den Berg? Zunächst war es der Wunsch nach ungewöhnlichen, glitzernden Rohstoffen. Später erkannte man den praktischen Nutzen von Metallen für Werkzeug, Waffen und als Zahlungsmittel. Doch auch weiterhin faszinierten Gold, Silber, Kupfer, Zinn und Kristalle aufgrund ihrer Schönheit. Und so entstanden zu jeder Zeit auch Objekte, deren Sinn und Zweck allein darin bestand, dem Auge zu schmeicheln und den eigenen Reichtum zur Schau zu stellen.
© Laura Frenzel
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© Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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Wer etwas haben möchte, wird erfinderisch. Der Bergbau brachte zahlreiche neue Technologien und Apparate hervor. Auch die Kenntnis von Gesteinen, Mineralien, physikalischen und chemischen Phänomenen nahm hier seinen wissenschaftlichen Ursprung. Durch Handel und Vernetzung gelangten Innovationen und Spezialwissen in alle Gegenden der Welt.
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© Museum für Sächsische Volkskunst, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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© Museum Kitzbühel | Sammlung Alfons Walde
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Wer mit Finderglück gesegnet war, konnte unermesslich reich werden. Im Mittelalter hieß die Gleichung: Besitz von Bergwerken + Recht auf Münzprägung = Reichtum und Macht. Die Markgrafen von Meißen gehörten dadurch zu den mächtigsten Herrschern Europas. Macht durch Bergbau bekommt im 20. Jahrhundert dann eine völlig neue Dimension: Der Abbau von Uran im Erzgebirge machte aus der Sowjetunion eine Atommacht.
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Der Ertrag aus dem Bergbau – die Ausbeute – geht zulasten anderer Ressourcen: Mensch, Tier und Natur. Einstürzende Stollen sowie kurz- und langfristige Krankheiten führten oft zum frühen Tod. Bergleute traten in Berg- und Hüttenknappschaften ein, um sich und ihre Familie für den Ernstfall mehr schlecht als recht abzusichern. Die Natur hingegen hatte keinen doppelten Boden. Ihre Zerstörung durch den Bergbau erkannte man bereits im Mittelalter.
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© Deutsches Bergbau-Museum Bochum
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Eine Fahrt durch Städte und Dörfer des Erzgebirges offenbart die immense Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrer Bergbaugeschichte. Auch wenn hier heute kaum noch jemand unter Tage arbeitet: Mythen, Witze, Sprache, Tracht, Symbole und Kunsthandwerk aus der bergmännischen Welt sind allgegenwärtig.
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© Jens Beutmann
Ohne Rohstoffe kein Fortschritt. Aktuell rückt das Erzgebirge wieder in den Fokus, denn neue Technologien und Digitalität benötigen Zinn, Silber und Lithium. Doch wollen wir wirklich ein „Viertes Berggeschrey“? Gibt es neue Ansätze, um die Ausbeutung von Mensch und Natur zu minimieren oder gar zu vermeiden?
© Annelie Blasko